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Datenrisiko Mobilität
Date: Tuesday 26 June 2007
Author: Peter Böhret, Kroll Ontrack
Mobilität ist in aller Munde. Produktivitätssteigerung und Flexibilität sind die positiven Schlagworte. Wildwuchs in der Speicherlandschaft und erhöhte Risiken eines Datenverlust sind aber die Kehrseite der Medaille. Wer auf seine mobilen Datenträger nicht mehr zurückgreifen kann, steht vor ernsten Problemen. Dabei ist auch bei mobilen Datenträgern der vermeintliche Datenverlust in den meisten Fällen kein endgültiger. 
 Die Risken des mobilen Datenverlustes steigen mit der Kapazität der Datenträger. Neben Notebooks und Handys finden PDAs, Blackberrys, MP3-Playern oder Digitalkameras zunehmende Verbreitung. Immer mehr Nutzer haben laut einer Umfrage von Kroll Ontrack schon persönliche Erfahrung mit Datenverlust bei mobilen Geräten gemacht.
Bei der mobilen Speicherung kommen magnetische Festplatten und Flash-Speicher zum Einsatz. Bei den festplattengestützten Medien spielen Notebooks oder Tablet-PCs die größte Rolle. Die mobilen Arbeitsplätze sind nicht anfälliger als ihre Desktop-Kollegen, aber größeren Belastungen ausgesetzt. Zusätzlich finden sich immer mehr Daten auf externen Festplatten oder Microdrives. Im Verlauf dieses Jahres werden auch verstärkt Handys mit Festplatten auf den Markt kommen.
In den mobilen Telefonen, PDAs oder Pocket PCs, Digitalkameras und MP3-Playern überwiegen aber immer noch die Flash-Speicher. Daneben gibt es noch eine Fülle der kleinen mobilen Speicherkarten und Dongles auf denen immer mehr Daten gespeichert werden können. Die verschiedenen Karten wie Compact Flash, SD Cards, xd Picture Cards, Memory Sticks, Multimedia-Card, SmartMedia oder USB-Sticks ermöglichen die schnelle Speicherung und den bequemen Transport immer größerer Datenmengen.
Immer mehr Daten entstehen vor Ort
Mit der Größe der mobilen Speicher steigen die Anwendungen im Außeneinsatz. In immer mehr Situationen entstehen Daten, die zuerst nur vor Ort gespeichert und in keinem zentralen Backup eines Unternehmens eingebunden sind. Sowohl der Umfang wie die Vielfalt dieser Daten wächst. Vom Datenverlust sind nicht mehr nur Office-Dokumente betroffen, sondern auch wichtige Kontaktdaten, die nicht synchronisiert wurden.
Neben dieser mobilen Bürodatenspeicherung gibt es aber auch eine Fülle von speziellen Arbeitssituationen mit mobilem Datenaufkommen. Gutachter einer Versicherung verfügen auf ihren Kameraspeicherkarten über unwiederbringliche Dokumentationsfotos. Bei Profifotografen sind Bilder das Unternehmenskapital. Architekten benutzten Tablet PCs als digitalen Zeichenblock. Außendienstmitarbeiter nehmen mit elektronischen Formularen auf Tablet PCs oder auf dem Notebook Kundendaten auf. Mit der Menge und Vielfalt dieser Informationen wächst die Notwendigkeit zu einem disziplinierten Datenabgleich. Denn der USB-Stick ist in kein Backupkonzept eingebunden. Je mehr Daten vor Ort entstehen, auf dem Server oder der lokalen Festplatte nicht vorhanden sind oder von zentralen Daten abweichen und daher aufgespielt bzw. synchronisiert werden müssen, um so größer wird der Schaden im Ernstfall des plötzlich eintretenden Datenverlustes.
Spezifische Risiken für mobile Daten
Grundsätzlich gelten für mobile Speichermedien die selben Gefahren, die für stationäre Träger gelten. Es gibt aber auch besondere Risiken.
66 Prozent der Notebook-Datenrettungsaufträge bei Kroll Ontrack gehen auf physikalische Beschädigungen zurück. Stoßen und Fall eines Notebooks oder einer Festplatte können fatale Folgen haben. Aber auch Vibrationen sind gefährlich. Ein leer werdender Akku bedroht die Daten, wenn kein rechtzeitiges Herunterfahren des Betriebssystems mehr möglich ist. Wer auf die automatische Einstellung des Herunterfahrens bei niedrigem Reststrom verzichtet, kann eine böse Überraschung erleben. Um so mehr gilt dies bei Pocket PCs oder PDAs mit flüchtigem Flash-Speicher. Auch wenn der Akku hier wieder aufgeladen ist, sind die Daten erst einmal weg. Externe Festplatten sind besonders gefährdet. Komfortabel und häufig billig in der Anschaffung werden Mini-Festplatten zunehmend für permanentes Backup missbraucht. Für eine solche Belastung sind diese Medien aber nicht gedacht.
Auch Flash-Speicher haben ihre speziellen Risiken. Schon das häufige Ein- und Ausstecken führt durch Abnutzung zu Kontakt- und Leitschwächen bei Flash-Medien. Bedienungsfehler sind häufig die Ursache, so zum Beispiel unkorrektes Entfernen des Datenträgers bei Schreibzugriffen, wie das Herausziehen ohne Ausschalten der Endgeräte oder auch die Entfernung des Mediums ohne die korrekte Abkoppelung der Schnittstelle über die Software. Durch das Herausziehen des Mediums bei laufendem Rechner kann es zu physikalischen Impulsen und damit zu Schäden kommen. Schließlich und endlich führt natürlich auch das versehentliche Löschen der Daten oder Formatieren des Mediums zu Datenverlust.
Häufig liegt die Ursache aber auch in Fehlern von Softwareprogrammen wie dem Betriebssystem oder der Bildbearbeitungssoftware. Zusätzlich kann auch ein Schaden in den Bauteilen einen Datenverlust herbei führen. Hardwarefehler, wie die defekte Steuerungselektronik eines USB-Sticks, sind je nach Qualität und Verarbeitung des Produkts nicht auszuschließen. Im Inneren arbeiten ähnlich wie bei Festplatten so genannte Controller, die aufgrund von Qualitätsunterschieden ebenfalls Fehler produzieren können.
Mobile Datenträger in der Datenrettung
Professionelle Software und Services zur Datenrettung unterstützen aber auch mobile Datenträger. Die Erfolgsquote steht hier bei 80 bis 85 Prozent und hinkt den Ergebnissen bei lokalen Medien nicht hinterher.
Wer seine Daten aus Unaufmerksamkeit gelöscht hat, dem hilft oft schon ein Softwaretool. Leistungsfähige Tools können auch aus korrupten Daten und beschädigten Festplattensektoren retten, was zu retten ist. Hier findet die Datenrettung dann lokal auf einem Rechner mit der installierten Software statt. Externe Speichermedien können dort als eigene Laufwerke über den Explorer angesprochen und bearbeitet werden.
Tiefgehende logische oder gar physikalische Beschädigungen können dann aber professionelle Sservices nötig machen. Ein Datenrettungsingenieur kann mit genauer Kenntnis der jeweiligen Betriebssysteme die Datenstruktur und verloren geglaubte Inhalte wiederherstellen. Dazu gehört auch die Kenntnis der Funktionsweise eines Flash-Controllers oder mobiler Betriebssysteme. Bei logischen Beschädigungen können Spezialisten bei Kroll Ontrack sogar mit der patentierten Lösung „Remote Data Recovery" (RDR) online über sichere Modemverbindungen die Datenrettung ermöglichen. So ist beim absoluten Notfall die mobile Datenrettung über ein Hotspot bei einem Firmennotebook denkbar. Über Internet-Verbindung greifen die Datenretter hier direkt auf das System des Kunden zu. Die gesamte Kommunikation erfolgt über eine gesicherte, verschlüsselte Verbindung. Bei RDR überprüft der Kunde zuerst, ob ein Einsatz von RDR überhaupt möglich ist. Wenn ja, installiert der Kunde den „Ontrack Connection Client". Dann macht sich der Ingenieur über Fernzugriff an die Datenrettung mit Hilfe von speziellen Tools. Daraufhin erstellt er eine Liste mit allen rettbaren Dateien, die dann auf Wunsch des Kunden wiederhergestellt werden können. Die eigentlich zu rettenden Daten werden dabei zu keinem Zeitpunkt über das Netz übermittelt, sondern lediglich die Werkzeuge. Dabei werden von den Datenrettungsexperten auch eventuelle Veränderungen des Systems überwacht und im Labor Präventivsicherungen durchgeführt. Nach Beenden der Verbindung und einem Neustart des Notebooks stehen die Daten wieder zur Verfügung. Diese Online-Rettung ist nicht nur komfortabel sondern auch vielversprechend. Bei logischen Beschädigungen, wie sie zum Beispiel durch Virusbefall oder versehentliches Löschen entstehen, können Daten fast immer remote gerettet werden.
Remote können auch alle Laufwerke und Datenträger angesprochen werden, die per USB an ein Notebook angeschlossen werden können Bei am Markt verfügbaren 15in1 Card-Readern kann de facto auf jedes Kartenformat zugegriffen werden.
Die Möglichkeiten der Datenrettung bei mobilen Datenträgern übersteigen dabei häufig die Erwartungen. xD- und SmartMedia-Karten überstehen sogar eine Waschmaschine, das Coca-Cola-Vollbad sowie die Belastung durch ein Skateboard. In einem im letzten Jahr durchgeführten Test des britischen Magazins „Digital Camera Shopper" konnten Daten selbst nach dem Nageln an einen Baum und der Bearbeitung durch den Holzhammer gerettet werden.
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